Abnabelung

Wenn du das Nest verlässt,

dann treibt durch Kühle dich der Wind

in fremdes knorriges Geäst,

in dem die Stunden lau und lind

vergehen und du nicht fühlst,

wie sich die Zeit in dir verwebt,

dich aushöhlt, an dir klebt,

selbst zehrend in der Kindheit wühlt

und Wurzeln findet bei den Deinen, 

was Halt im alten Stamm dir gibt,

aus dem du flohst vor Jahren.

Ganz aufgewühlt musst du erfahren,

du hast dich selber weggeliebt

und endlich kannst du weinen.

 

Die Rose

Rose, widersprüchliche Königin, 

entstiegst du dem Meerschaum, 

als die Morgenröte zur Neige ging? 

Oder wuchsest du aus Adonis´ Blut, 

um dessen Tod Aphrodite weinte? 

 

Womöglich warst du weiß und verschwiegen, 

bevor der Nachtigall Blut dich färbte. 

Den Dorn im Herzen sang sie von Liebe. 

Im Dickicht des hundertjährigen Schlafs 

dorntest du Königssöhne zu falscher Zeit. 

 

Dein Duft erregt die Liebenden zur Nacht, 

wenn du verschwenderisch den Abend würzt. 

Zartes Rot belebt die Zögerliche, 

ehe sie sich dem Werbenden hingibt. 

Deine  Ranken verheißen Ewigkeit.

Marlene


An den Marken deiner Tage

erscheint mir in der kalten Wintersonne

ein blauer Engel

lüpft den Hut zum Gruße

schreitet leichtfüßig

seidig ummantelt

zum Tor hinaus

Gebannt folge ich ihm

bin nicht die Einzige

Ein fülliger Herr

ängstlich und verwirrt

traut seinen Augen nicht

Auf Straßen und Plätzen

formiert sich eine gespenstische Kolonne

Go home Marlene

Erst einer dann viele

Im Spinnenkleid alterslos

singst du vom Wind

der alle Antworten kennt

und die Blumen auf deinem Grab

Orange


Wir wellnessen im Blätterbad

Ayurveda der Sinne

Kein Klang aus dem smarten iPhone

nur Natur pur flankiert uns 

Generationen von Sanddorn

bieten ihre Beeren feil 

wie friedlich prangt das Orange 

vor der verwesenden Bräune

 

Achtlosigkeit birgt Fäulnis

 

 

 

Am Teich


Lilien 

ist solch ein Himmel euer Idol 

Den Seerosen genügt 

ihr Spiegelbild 

Kuckuck 

Was lockst du unseren greinenden Säugling 

Ihn stillen schon Amseln und Finken 

mein Lied im Gefieder 

Den schattigen Baldachin 

spendet ungerührt die bejahrte Eiche 

grüne Wipfel ins wolkenlose Blau tauchend 

 

Farn 

was misst du dich am vornehmen Ginstergelb 

Wo bleibt dein Stolz 

Wem unken die Frösche ein Leid 

Nur der trockene Bambus kränkelt 

und vier Steine verweigern einem Möchtegern 

das Kreiseln im Wind 

Neugierige Fische im Pflaumenbaum 

halten Ausschau nach den wolligen Pfötchen 

die im Gänseblümchenmeer die Kastanie verbellen 

Wer will schon die letzte Wolke malen 

Juni

 

Leichtfüßigen Schrittes entsteigt

dem Brunnen der Nacht 

ein zwitschernder Morgenkanon

Meine Stimme schläft noch

 

Hinterm beschlagenen Fenster

beschämt alter Flieder 

mit betörendem Duft

mein Chanel Nummer fünf 

 

Ein Wind huscht flüsternd ins Baumkleid 

lüpft grüne Fruchtgeschmeide

und wiegt kosend den Schmuck  

für die malende Sonne

 

Unterm  Rhabarber wirft eine Schnecke

kopfüber ihr Haus ab 

Zu warm für den Sommer

den dribbelnden Käfer 

Mai

Ein Pusten auf den Wiesen 

Die Mütter müssen niesen 

von Schirmchen die sich eben 

Zum Abflug ohne Ziel erheben 

Weil ihre gelben Brüder 

Als Löwenzähne Nasenstüber 

Für muntere Babys taugen 

 

Ein Pusten auf den Wiesen 

Die Alten müssen niesen 

Wenn sie mit Walking Stöcken 

Durch weiße Glöckchen trecken 

Vom Frühlingsduft benommen 

das Knospen nur verschwommen 

geschützt von dunkler Brille sehen 

 

Ein Pusten auf den Wiesen 

Wer sollte jetzt noch niesen 

Ein Weißdorn rechts ein Rotdorn links 

Und selbst die tauben Nesseln rings 

Verschämt zur Seite schielen 

Wo zwei sich kichernd foppen 

Weil sie im Grünen 

Aprilhut

Der Kälteste von allen greift sich das Nötigste, 

vor allem die Fellstiefel, die nass und abgetragen

ihm beständig zu Diensten sind. 

 

Undankbar ist der eisige Gast.

Er niest Graupelschauer wie Mottenstaub ins Beet.

Im Schnee die Glöckchen trotzen der frechen Attacke.

 

Voller Unverstand fegt der Frostige 

einen weißen Schal um den Hals der Kaiserkrone,

des frierenden Stehaufmännchens.

 

Selbst das Weidenkätzchen schert nicht 

der Aufbruch des wütenden Winters.

Es räkelt sich in der Sonne.

 

Da läuten die Osterglocken zum Sturm 

auf die Nester unschuldiger Hasen.

Kinderlachen erfüllt die Luft.

Januar 2021

 

Einzeln keimt schwach die Wintergerste auf dem Acker in schlammiger Zeit.

Allein zu sein ist das Schwerste im Schatten dieser Furchtsamkeit.

 

Zwischen uralte Erlen auf Weidegras drängt sich ein matter Sonnenball – nah.

Er sucht kläglich Schutz vorm Ausmaß der Sorglosigkeit  im Januar.

 

Am kleinen Teich verwaist unsre Bank. Du twitterst von fern einen Gruß.

Ich antworte dir und fühle mich krank, weil ich kontaktlos hierbleiben muss.

 

Und inzwischen frisst der Biber vom Erlenstrauch den Rindenschutz,

ganz ohne Rücksicht. Mir wär’s lieber, er zeigte weniger Eigennutz.

Das Paket  


Vor dem Tor, dezembergrau, klingelt schwer beladen

aus dem  Haus uns eine Frau, warm verhüllt die Waden.

Schwarz und gelb gekleidet. Ach, die Christel von der Post.

Sieh nur,  wie sie leidet, Finger klamm vor Frost.

 

Ein Paket, sehr groß und mächtig, schleppt sie, schwer die Last.

Das scheint mir jedoch verdächtig, denn ich lese: Vorsicht Glas!

Liebster, hast du was bestellt? Eine Heizung fürs Gewächshaus?

Mensch, die kostet so viel Geld. Hilf mir tragen, komm jetzt raus!

 

Außerdem, wir haben keins. Hätten es auch nicht gebraucht.

Vielleicht paar Flaschen guten Weins? Zigaretten? Schnell geraucht!

Nein, da fällt mir plötzlich ein: Wir waren informiert.

Ein Paket vom Töchterlein, durch halb Deutschland transportiert.

 

Doch nun muss ich rätseln: Weißwurst,  zart umhüllt

von frischgebackenen Brezeln? Damit ist`s vielleicht gefüllt.

Was ist denn nun wirklich drin? Kann nicht länger warten.

Los,  wir stürzen uns darauf! Erst im Haus, nicht hier im Garten!

 

Auf den Tisch die schwere Kist‘! Lauter kleine Tüten!

Weißt denn du, was das wohl ist? Wie sie sich bemühten!

Guck mal, diese Zahlen. Ein Kalender zum Advent!

Oh, wie wir nun strahlen. Hätten ihn sonst glatt verpennt.

 


November

Ein Heer von Wolken belagert kalt und grau 

den Tag der laut den Schlägel schwingt

Und  Dämmerung reißt eine Nässe auf

bei der’s  mich friert  

und jene erst den warmen Lüftungsschacht beleben

wo sie nicht bleiben dürfen

weil dieser Luxus keiner sein darf

Und über ihnen strahlt das Licht

der Galerien die ganze Nacht

In ihren Schattenbildern

stirbt der Tag 

Einladung zur musikalischen Lesung Schafscheune Hoppenrade

Am 1.11.2020, 15 Uhr, lädt der Kunstverbund Axtmann & Gauger zum ersten Mal zur Veranstaltungsreihe „Kultur & Kulinarik“ in die Schafscheune Hoppenrade ein. Im Mittelpunkt dieses Nachmittages steht die Dettmannsdorfer Autorin Carmen Gauger mit  ihrem 2020 erschienenen Debütroman „Schwesternschere“. 

Für die Musik sorgt die Tochter der Autorin, die Güstrower Künstlerin Nora Gauger, die im Einklang mit dem thematischen Strang des Romans Erlebtes & Erdachtes vertont hat. 

Der Roman ist eine Reise, mit Rückblicken auf vorherige Generationen, familiären Einschnitten, Zerwürfnissen und weiteren vielfältigen Ereignissen. 

Auf den einzelnen Stationen des Romans begegnen uns immer wieder Speisen, die für die jeweiligen Regionen, in denen die Protagonisten sich bewegen, typisch sind. Sabina und Klaus Axtmann greifen die in dem Roman vorkommenden Mahlzeiten auf und zaubern daraus passende Leckereien. Das Ehepaar Axtmann – vielen vor allem bekannt durch die vielbesuchte Veranstaltung „Mittsommer-Remise" in ihrer Schafscheune in Hoppenrade – freut sich, nun wieder Gäste empfangen und diese mit kulturellen & kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen zu dürfen. 

Ticketpreis: 10 € (zzgl. 5€-Verzehrgutschein)

Karten erhältlich bei Sabina Axtmann  

E-Mail: das-weincafe-guestrow@web.de

Telefon: +49 173 6335188

Adresse: Schafscheune Hoppenrade, Speicherstraße 9, 18292 Hoppenrade



 

Oktober

 

Regen vergrault mir die Lust nach der Sonne zu suchen

Wind schlürft Nässe vom Baum 

Triefend und winselnd der Hund an der Leine

will mich zum Hasen zerren

Der schlägt keinen Haken macht drollige Männchen 

fasst uns mutig ins Auge

Meister Lampe gebildet lässt sich nicht leimen

Hier wartet kein Igel mehr und sin Fru erst recht nicht

Die ist emanzipiert läuft eigene Furchen

Batterien von Tannen bedrohen den Weg

Standarten an Spitzen künden vom Rang im Advent

Groß und rank gute Bank klein und krumm billig und dumm

Silbern läuten die Blätter des Sanddorns Oktober ein

Doch bleiche Früchte fast ausgetrocknet

häkeln entkräftet goldene Fäden übern September

Altweibersommer 

bleib 

Gedicht aus Carmen Gaugers Gedichtband "Windungen"


Musikalische Lesung in der Anmut.Bar Güstrow

Am 3.9.20 lädt die neueröffnete Anmut.Bar in Güstrow zur musikalischen Lesung ein. Von 19-21 Uhr stelle ich meinen ersten Roman "Schwesternschere" vor. Musikalisch begleitet werde ich dabei von meiner Tochter Nora Gauger, Künstlerin & Musikerin aus Güstrow. Sie lässt mit Gesang und Gitarrenbegleitung Eigenkompositionen erklingen. 

Mein Debütroman, erschienen im Kuuuk Verlag Königswinter im April 2020, ist eine Familiensaga. Alles dreht sich um eine Erbschaftsgeschichte, angereichert mit Träumen, Gedichten und wiederkehrenden Symbolen. Erlebtes und Fiktion verschwimmen.

Die Anmut.Bar ist der ideale Ort, um Kultur und süße Köstlichkeiten zu genießen. Direkt an der Nebel gelegen, lockt sie mit außergewöhnlichem Ambiente. Mich hat dieser Ort sofort in seinen Bann gezogen. Zur Zeit könnt ihr dort außerdem eine kleine Ausstellung von meiner Tochter Nora besuchen.

Die musikalische Lesung beginnt um 19 Uhr. Wir bitten um Anmeldung per E-Mail an info@carmengauger.de oder telefonisch an 0176-91404221. Mehr Infos auf www.anmut.bar / Hansenstraße 1, 18273 Güstrow.

Lesung & Musik im Freien

Nun ist es endlich soweit: wir werden in Waldesruh eine musikalische Lesung zu meinem Roman "Schwesternschere" abhalten. Am Sonntag, den 9.8.20 , um 15 Uhr. Hier werde ich einige Passagen aus meinem Buch vorstellen und über den Entstehungsprozess reden. So war es schließlich für mich ein ganz besonderes Ereignis, ein längeres Werk herauszugeben. Über meine Arbeitsweise oder spezielle literarische Konstruktionen könnt ihr an diesem Nachmittag mehr erfahren. Ich freue mich außerdem, dass meine Tochter Nora mit Gesang & Gitarre die Lesung musikalisch untermalt.
Wenn Sie einen Besuch der Lesung planen, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die Lesung draußen stattfindet und Sie bitte Ihre eigenen Sitzgelegenheiten mitbringen möchten. 
Natürlich haben auch wir in dieser Zeit nur begrenzte Möglichkeiten, Veranstaltungen zu gestalten. Es gelten die allgemeinen Hygieneregeln. 

Wir freuen uns, Sie bald wieder auf dem Hof der Galerie Waldesruh anzutreffen.

Schauen Sie vorbei und schenken Sie uns ein Lächeln zur Begrüßung!

Carmen & die Galerie Waldesruh
Waldesruh 1, 18334 Dettmannsdorf
Website:
www.wilhelmgauger.de



Buch „Schwesternschere“

Ich hatte mich darauf gefreut, von meinem ersten Roman zu erzählen, Lesungen zu machen, mich darüber auszutauschen! Nun halten wir gerade alle Abstand voneinander.
Das ist natürlich nur äußerlich, innerlich sind wir enger zusammengerückt! Aber wenn es möglich sein wird, sich mit selbstgenähtem Mundschutz und sicherer Distanz wieder ein wenig versammeln zu dürfen, zum Beispiel in Waldesruh, lasse ich euch das wissen.
Ich lade euch schon jetzt provisorisch zur Lesung meines Buches „Schwesternschere“ ein. Es erschien am 30.04.2020 beim KUUUK Verlag, in Königswinter bei Bonn (Covergestaltung "Schwesternschere" von Vera Gauger, www.veragauger.de) und ist überall im Handel erhältlich. Man kann die Paperback-Ausgabe bzw. das eBook bereits ordern und online Leseproben einsehen. Wer sich dafür interessiert, dem wünsche ich viel Spaß beim Lesen, auch wenn das eine oder andere etwas traurig erscheinen mag, so sind es doch manchmal gerade die schwierigen Begebenheiten, die den Weg für Neues, Schönes und Positives freimachen! 
Auch Umstände und Befindlichkeiten, die uns gerade belasten, haben ungeahnte Effekte! Nämlich, den Mut, davon zu erzählen.

Bleibt gesund und passt auf euch auf!

Carmen

Der Roman Schwesternschere von Schriftstellerin Carmen Gauger aus MV erscheint bei Kuuuk, April 2020. Cover Vera Gauger.

Ausstellung & Lesung zu KunstOffen

Nach einer längeren "Kunstpause" freue ich mich auf die Ausstellung "HEIMATliches" in der Zarnewanzer Werkstattgalerie von Britta Naumann am "Pfingstsamstag", 30.05.2020, ab 14 Uhr. Malerei, Fotografie und Grafik, inspiriert von der vielfältigen Landschaft des Zarnewanzer Umlandes sowie Objekte und Installationen, welche die starke Verwurzelung der Künstlerin zur Natur widerspiegeln, werden uns in der Galerie und im Garten in Zarnewanz begrüßen.
Mit einer Lesung aus meinem Buch "Windungen" um 15 Uhr und mit der Musik Nora Gaugers, Gesang und Gitarre, wird die "Natur" verdichtet und besungen, aber auch andere Themenfelder berührt. Das Buch "Windungen" wurde von uns im Oktober 2019 in Eigenregie herausgegeben und hat uns viel Sprach- und Bildfreude bereitet.
Vielleicht sehen wir uns im grünen Garten von Britta Naumann, unter Einhaltung des erforderlichen Abstandes und der bekannten Hygiene-Regeln. Wir werden unsere schönen Masken mitbringen, die inzwischen zu unserem Alltag gehören.
Liebe Grüße! Carmen

Wo?
Werkstattgalerie Britta Naumann

Gnewitzer Straße 8
18195  Zarnewanz

Wann?

Ausstellung "HEIMATliches" Pfingsten 2020: Sa+So 14-18 Uhr
Lesung "Windungen": 30.05.20, 15 Uhr

Werkstattgalerie Zarnewanz Jan-Dez.: Fr+Sa ab 17 Uhr



"Vorsichtsmaßnahmen"


Heute schreiben wir den 21.07.2020 und es ist viel passiert. Mit ein wenig Abstand kann man manchmal erst die Dinge einfangen, begreifen, was drumherum passiert. So ist es auch beim Texten.
Unsere Arbeit geht inzwischen weiter und nun fassen wir Möglichkeiten ins Auge, draußen im Freien Literatur und Musik vorzustellen. Als nächstes werden wir in Waldesruh eine musikalische Lesung zum Buch "Schwesternschere" gestalten. Am Sonntag, den 9.8.2020, um 15 Uhr. Bitte dazu eigene Sitzgelegenheiten mitbringen. Es gelten die allgemeinen Hygieneregeln.
Beobachtungen aus der jetzigen Zeit – passend zum Thema "Hygiene" – haben mich zu einer neuen Kurzgeschichte bewegt. Mit einem Klick auf den Button gelangst du zum vollständigen Text.

Viel Freude beim Lesen wünscht
Carmen